Ein Auge auf die tschechische Kultur - Heute: Diebstahl
18. In der tschechischen Gesellschaft ist es allgemein akzeptiert Sachen, welche scheinbar keine Besitzer haben, in sein eigenes Eigentum zu überführen...
...so kamen mir auch meine Wasserflasche im Fitnessstudio, mein Einkaufswagen im TESCO und mein runtergefallener Stift in der Uni abhanden. Letzten Freitag hat dann auch jemand das Geld aus meinen Portmoinee in seinen Besitz übernommen. Klarer Fall, den meine Jacke hing nur über meinem Stuhl und war somit augenscheinlich ohne Besitzer.
Wer nicht klaut, beklaut seine Familie.
(Ivana, 29.11.2006)
Meiner deutsch-tschechische Sprachpartnerin zufolge liegt den Besitztransfers in Tschechien dieses Motto zugrunde und es greift übrigens auch bei Staatseigentum. In ihrem Heimatstädtchen haben sie vor Jahren ein neues Gymnasium gebaut. Dabei haben die Einwohner fleißig mitgeholfen und tüchtig Baumaterial für ihre eigenen Häuser geborgt, so dass die neue Schule heute schon baufällig ist und wieder geschlossen werden mußte.
Dieses Motto besitzt aber eine verblüffende Logik. Wenn ich der einzige bin, der nicht klaut, bin ich der einzige (neben dem Staat) der bei diesem System verliert. Es muß also eine gewisse Indifferenzgröße von Diebstählen existieren, ab der man es sich nicht mehr erlauben kann nicht zu stehlen! Die Czechen haben diese Größe jedenfalls schon lange überschritten...

