Ein Auge auf die tschechische Kultur - Heute: Weihnachten
Am Heiligen Abend (štědrý večer) wird zum Beispiel solange nichts gegessen, bis man ein goldenes Schwein sieht, welches einem für das nächste Jahr Glück bringt. Ob diese Halluzinationen davon kommen, dass man das Essen durch Alkohol ersetzt oder man einfach nur am Rande des physischen Zusammenbruchs ist, kann ich allerdings nicht endgültig sagen. Jedenfalls kommt - wie auch im südlicheren Teil unserer Republik - danach das Christkind (ježiška) und bringt Geschenke, wofür man die Tür extra einen Spalt offenlassen soll. Ich hatte eigentlich immer den Eindruck, dass genau das Gegenteil passiert, wenn ich in Tschechien meine Tür offen lassen würde, aber ok... Jedenfalls, das Beschenken wird dann von Liedern und Gedichten begleitet, wie man nach Betlehem (manchen eher bekannt als بيت لحم) zieht um den kleinen Jesus zu wiegen und ihm irgendwelche Vögel zu bringen, die ihm was vorsingen sollen... (gähn)
...spätestens an der Stelle hatte ich nicht mehr so genau aufgepaßt im Unterricht, aber danach werden noch Schuhe hinter sich geschmissen, Zwiebel zerschnitten und Fischschuppen unter Teller gelegt. Der genaue Sinn hat sich mir da auch nicht erschlossen, im Prinzip ging es immer darum irgendwie das nächste Jahr vorauszusehen. Wie gesagt, für so ungläubige Leute wie die Czechen besteht Weihnachten aus mir unverständlich vieler Religion und Aberglaubem. Auch versteh ich nicht wie das Christkind Geschenke bringen kann, wenn es gleichzeitig irgendwo im Westjordanland in einer Wiege liegt, zu der man nach eigenem Bekunden ziehen möchte, während die Wohnungstür offen ist. Da ist unsere Variante mit dem Weihnachtsmann viel einleuchtender und sicherer, vor allem weil der alte Mann wahrscheinlich eher arbeitsteilig mit seinem Azubi Rupprecht und dem Gesellen Nikolaus die Geschenke unters Volk bringt. Und das ist doch, worauf es Weihnachten wirklich ankommt, oder?
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen, die schon hier waren und die noch herkommen werden, ein besinnliches und - wie auch Joseph Alois heut vormittag meinte - gesegnetes Weihnachtsfest!

