Zurück in den Sozialismus – Teil 1
Im Osten, da herrscht noch eine gewisse Grundordnung!
(www.henning-bommel.de,
Kommentar zum Bild des Monats, Juni 2006)Genau, dem kann ich mich nur anschließen. Veränderungen gefallen nicht, vor allem nicht beim Essen. Hier in Prag ist jeder Besuch der Mensa wie eine Zeitreise zurück in den Sozialismus: Sobald man das Gebäude betreten hat, muss man sich gleich an der ersten Schlange anstellen. An deren Ende tauscht man dann eine Essenberechtigungsmarke des laufenden Monats gegen Bezahlung von 29,50 Kč (1,05 €) in eine Essenmarke für den laufenden Tag um. Mit dieser neuen Marke geht es dann zur nächsten Schlange. Wo man die Marke einer Frau in die Hand gibt, die einem dafür mit angedeutetem Kopfnicken den Zutritt zum Allerheiligsten – der Essenausgabe – gewährt. Doch halt! Vorher sollte man schnell noch einen Blick nach links werfen, nicht weil dort irgendwo ein Essensplan von heute aushängt, nein, sondern weil da in einer Vitrine Teller mit den verschiedenen Gerichten (mit kleinen Nummerchen versehen) stehen, zwischen denen man heute wählen kann. Die Fantasie, die man bei uns zur Vorstellung der Mahlzeit aufwenden musste, ist hier also unnötig. Nun trennt einen auch nur noch eine Schlange davon wirklich eines dieser Essen, sowie eine Suppe und eine Waffel, zu erhalten. Sollte man diese geschafft haben, kann man dann auch noch - freiwillig - an einer vierten Schlange lauwarmen Tee in süß oder bitter dazunehmen. Und natürlich – welch sentimentale Erinnerung – das traditionelle Alubesteck darf man auch nicht vergessen.
Wenn man alles richtig gemacht hat, sollte das am Tisch dann so aussehen (man beachte das Alubesteck links oben)!

18. Nach drei obligatorischen Schlangen, zwei Essenmarkenarten und unzähligen dicken Essenfrauen mit ärmellosen Schürzen hat man tatsächlich für einen knappen Euro ein komplettes Menü bekommen, welches man mit seinem Alubesteck essen kann.
Pailos Tipp: Immer das Knödelgericht nehmen. Denn Knödel scheinen nach allgemeiner Ansicht das einzige Nahrungsmittel in ganz Tschechien zu sein, das ohne Unmengen von Fett, Knoblauch oder Kümmel zubereitet wurde.

