...und wieder ein Auge auf die tschechische Politik
Politiker sein in der Tschechischen Republik ist nicht einfach. Ständig muß man sich gegen die Kampagnen von Presse und Opposition zur Wehr setzen. ...und dabei noch eine gute Figur machen! Als Premierminister ist Mírek Topolanek da natürlich in einer doppelten Belastung. Besonders wenn die Journalisten - diese intellektuellen Brillenträger - selbst völlig normale Dinge einfach aus dem Kontext reißen und als verwerflich darstellen.
Neulich zeigte Mírek zum Beispiel während einer Parlamentsdebatte in Richtung Opposition seinen rechten Mittelfinger. Die Presse hat das natürlich gleich wieder falsch verstanden und eine Entschuldigung gefordert - diese unnützen Spinner - denn das war ja wohl eine eindeutige Geste zu seinem Finanzminister: "Mensch, du bist großartig!"
Noch vermessener war die Reaktion der vorletzten Woche, als Mírek einem Journalisten, der ihn fragte, ob er eine Uhr im Wert von 300000 Kronen vom Aufsichtsratsvorsitzenden des staatlichen Energiekonzerns ČEZ erhalten habe, eine SMS mit einem einzigen deutschen Satz schickte: "Es kommt der Tag...". Die Journalisten - diese fantasielosen Spießer - sahen da natürlich gleich einen Zusammenhang mit der gleichlautenden Parole der Nazipartei der deutschen Minderheit aus der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit gegeben. Und so, anstatt auf die Bilingualität ihres Premiers stolz zu sein, wurden da auf einmal sofort Rücktrittsforderungen laut. Ja, es ist eben wirklich nicht einfach hier Politiker zu sein...

