...und wieder ein Auge auf die tschechische Politik
Die tschechische Politik wäre nicht die tschechische Politik, wenn eine Provokation nicht eine andere Provokation nachziehen würde. Die Aufmerksamkeit, die der Premierminister durch seine... nun... äh Missverständnisse in der Öffentlichkeit bekommen hat, erregte natürlich den Neid von Freund und Feind. Besonders der Vizepremier Čunek, der durch seine immer tiefer gehende Korruptionsaffäre – auch wo eigentlich das Haus und Auto seiner Frau herkommt ist neuerdings unklar – schon einen stabilen Anteil in den täglichen Nachrichten hat, wähnte sich hier anscheinend zu kurz gekommen. Doch für einen gelernten Emporkömmling aus der Provinz kein Problem. Was gestern gut war, kann heute nicht schlecht sein. Nach dieser Maxime griff Čunek einfach auf das schon am Anfang seines kometenhaften Aufstiegs vom Provinzbürgermeister zum Parteivorsitzenden und Vizepremier erfolgreiche Mittel zurück (der p-log berichtete: http://plog.twoday.net/stories/3269961/main) - das beliebte Gipsy-Bashing. Auf die Fragen eines Lesers der Boulevardzeitung Blesk (dtsch: Blitz, idiomatisch aber eher: Bild) ob auch andere Menschen als Roma Zuwendungen erwarten können antwortete eher. Sie müssen irgendwohin fahren, um sich zu bräunen, mit ihrer Familie Chaos veranstalten und auf dem Marktplatz Feuer machen, erst dann nehmen sich die Politiker Ihrer an.
(Blesk, 28.03.2007; Übersetzung nach radio.cz)Fast. Nur der Vorsitzende der Sinti und Roma in Tschechien sah das nicht so und erstatte Strafanzeige. Aber der aufmerksame der p-log-Leser sollte wissen, was das eigentlich war – na klar – ein Mißverständnis. Und von wem verursacht? Genau, der Presse. Die hatte nämlich diesen Satz einfach – wie nicht anders zu erwarten – aus dem Zusammenhang gerissen, so die Entschuldigung Jiřís, er meinte doch damit nur die Politiker... Eben! Ist ja auch völlig egal, Hauptsache ist, dass er wieder die Spalten der Zeitungen gefüllt hat.
Und – nachdem er nach der Errichtung eines Ghettos für die Sinti und Roma in seiner Heimatstadt Minister für Regionalplanung wurde – sollten ihm damit alle Türen offen stehen auch den Posten für Soziales zu besetzen.

