Heute: Italiener
Meine absoluten Lieblingstouristen. Schon von weitem kann man diese schwarzhaarige, laute und wild gestikulierende Masse ausmachen. Der gemeine Italiener bewegt sich immer nur in Herden von über 20 Personen, wobei bevorzugt die gesamte Breite des jeweils zur Verfügung stehenden Bereichs für Fußgänger ausgenutzt wird. Immer perfekt frisiert läuft man selbst bei knapp zwanzig Grad noch mit hoch geschlossenen Winterjacken und Schal rum. Er in Camouflage oder Schwarz, sie in Weiß, alles natürlich mit Pelz besetzt. Das wichtigste Utensil dabei: Die Sonnenbrille. Und zwar unabhängig von Jahres- oder Uhrzeit. Ganz beliebt ist mittlerweile die Sonnenbrille für zwei Personen, die so groß ist, dass eigentlich auch ein einziges Glas für das ganze Gesicht ausreichen würde. Meist treten sie erst am späteren Tag in Erscheinung und beschränken sie sich dann auf die unmittelbarsten Sehenswürdigkeiten von der Burg bis zum Altstädter Ring, sind dort dafür aber auch noch bis spät in die Nacht anzutreffen.

- Wie viele Italiener haben sich auf diesem Bild versteckt?
akberlin - 23. März, 14:23
Mal abgesehen davon das der
HC Sparta Praha wieder ins Halbfinale der Playoffs eingezogen ist, beherrscht in Tschechien ein Thema seit Tagen die Sportseiten. Am Samstag, den 24. März 2007, wird die Auswahlmannschaft des
Deutschen Fußball Bundes (DFB) hier in Prag auf die Selektion des
Českomoravského fotbalového svazu (ČMFS) treffen. Engstirnige Menschen würden hierbei von der deutschen Nationalmannschaft sprechen, wobei doch jeder weiß, dass sich diese gerade auf die Weltmeisterschaften im Velodrom von
Palma de Mallorca in der kommenden Woche vorbereitet...
Jedenfalls wird die anstehende Begegnung der beiden Auswahlteams als Spitzenspiel konnotiert. Und dieses findet nirgendwo anders als hier in Prag
auf Letná, dem legendären Letná-Stadion des
FC Sparta Praha (jetzt auch unter dem schnöden Namen Toyota-Arena geführt) statt! Die Countdowns in den tschechischen Zeitungen werden von Geschichten über die "großen Kämpfe" früherer Selektionen begleitet. Als Statistikliebhaber und Neurotiker kann ich solche Halbheiten nicht gut heißen, deshalb im folgenden eine vollständige Statistik aller bisherigen Begegnungen.
Deutsches Reich - Tschechoslowakische Republik
Begegnungen: 3
Gewonnen: 2
Unentschieden: 0
Verloren: 1
Erwähnenswert: WM-Halbfinale in Rom 1934 1:3
BRD - Tschechoslowakische Sozialistische Republik
Begegnungen: 11
Gewonnen: 6
Unentschieden: 2
Verloren: 3
Erwähnenswert: EM-Finale in Belgrad Rom 1976 5:7 n.E.
DDR - Tschechoslowakische Sozialistische Republik
Begegnungen: 17
Gewonnen: 8
Unentschieden: 5
Verloren: 4
Erwähnenswert: sozialistische Bruderliebe
Deutschland - Tschechoslowakische Förderalistische Republik
Begegnungen: 3
Gewonnen: 2
Unentschieden: 1
Verloren: 0
Erwähnenswert: Während die einen sich vereinigten, trennten sich die anderen.
Deutschland - Tschechische Republik
Begegnungen: 4
Gewonnen: 3
Unentschieden: 0
Verloren: 1
Erwähnenswert: EM-Finale in London 1996 2:1
Und was können wir aus der Statistik entnehmen? Gar nichts... Wer glaubt, dass Vergangenes Auswirkungen auf die Zukunft hat sollte Geschichte studieren, aber nicht Sport kommentieren!
akberlin - 21. März, 11:05
Die Moral von gestern ist der Blog von heute. Aber ist der Blog von heute auch die Moral von morgen? Wie umgehe ich es also in einer fremden Stadt als bösartiger Hodenkrebs betrachtet zu werden? Also zum Beispiel als ein gutartiges Geschwür im Zwölffingerdarm? Ganz einfach: Fünf eiserne Regeln. Falls ich einmal einen Reiseführer über Prag schreiben müsste, würde ich ihn mit den fünf eisernen Regeln beginnen. Fünf eiserne Regel, um nicht als ein lästiger Tourist im Bild der goldenen Stadt zu erscheinen.
1. Kein T-Shirt mit der Aufschrift „Czech Republic Drinking Team“ tragen (wahlweise auch nicht: „Kampftrinktour Prag 2007“, „KGB“, „Mein Bruder war in Prag und alles was er mir mitbrachte, war dieses lausige T-Shirt.“ sowie alle anderen Beschriftungen die „Prag“, „Prague“, „Praga“ oder „Praha“ beinhalten.)
2. Nicht versuchen mit der 1,2 Megapixelkamera im Handy von der besten Freundin oder dem besten Freund vor allen Prager Sehenswürdigkeiten Bilder zu machen. Oder bei Nacht die Burg zu fotografieren...
3. Keine großen Gruppen an undurchlässigen Stellen bilden. Keine großen Gruppen in engen Gassen bilden. Keine großen Gruppen auf schmalen Brücken bilden. Keine großen ... na gut, ich glaub der Punkt ist jetzt jedem klar!
4. Nicht klatschen wenn die Uhr auf dem Altstädter Ring zur vollen Stunde schlägt (, der Erbauer ist sowieso schon einige Jahrhunderte Tod und die Prager interessiert es überhaupt nicht was man davon hält.) Übrigens auch nicht klatschen, wenn das Flugzeug in Prag – oder sonst wo – landet.
5. Auch wenn der Alkoholpegel jedes menschliche Maß verlassen hat... Bitte nicht singen! Oder ganz laut in der Straßenbahn erzählen, wie toll Prag ist, und wie billig vor allem das Bier hier sei. Man merkt das nämlich auch so!
akberlin - 19. März, 15:45
Der Frühling lässt hier bereits seit einer knappen Woche seine Reize spielen. Und das hat meine Kreativität betört, so dass ich – wie wahrscheinlich ersichtlich – wirklich einige Probleme hatte, hier was Anständiges auf den Bildschirm zu bekommen...
Doch vorgestern, als ich im T-Shirt auf den Stufen des Rudolfinums saß und einfach nur die Sonne genoß, da passierte es. Da habe ich SIE gesehen. Und augenblicklich wurde mir klar, dass ich den nächsten Blog über sie schreiben werde: Touristen!
Sie sind der Krebs Großstadt! Sie fließen durch ihre Adern, teilen sich, bilden Metastasen, Klümpchen, Grüppchen, vereinigen sich wieder und schwellen in ihrem Herzen zu undurchdringbaren Massen an. Sie machen das Leben zu einer Qual. Man möchte sie entfernen, doch sie kämen immer wieder. Aus allen Ecken und Winkeln kommen sie hervor gekrochen, sobald nur der winzigste Sonnenstrahl den Himmel kitzelt... Huch, da ging doch glatt die wieder gewonnene Kreativität mit mir durch! Im Grunde ist der Tourismus doch ein interessantes soziologisches Phänomen der (Post)moderne, denn unabhängig vom Herkunftsland scheinen mir die meisten Touristen ihren gesunden Menschenverstand und ihre guten Manieren einfach zu Hause zu lassen, wenn sie verreisen.
akberlin - 16. März, 11:43
Wie die verehrte Genossin aus Braunschweigt vorgeschlagen hatte, soll Hitler die Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine populistische Maßnahme um im linken Lager Wählerstimmen zu fischen, entpuppt sich auf den zweiten Blick als populistische Maßnahme um im rechten Lager Wählerstimmen zu fischen. Denn jeder Konservative weiß doch: Deutscher kann man nicht werden, als Deutscher wird man geboren! Und Hitler? Er war in Österreich geboren, seine Eltern waren Österreicher, er sprach Österreichisch und sah Österreichisch aus. Ganz klar ein Österreicher, weg mit der Staatsbürgerschaft! Und wo wir gerade dabei sind, hier noch eine Liste von Leuten, die der p-log auch gerne ausgebürgert sehen würde:
1. Karl IV. (bekanntlich ein Tscheche)
2. Joseph Ratzinger (bekanntlich ein fremdes Staatsoberhaupt)
3. Dieter Bohlen (bekanntlich ein Idiot)
Weitere Vorschläge können gerne im folgenden eingetragen werden...
akberlin - 14. März, 16:15
Schade, der Versuch mit den arabischen Namen vielgesuchter Terroristen mehr Leser aus der ganzen Welt - dauerhaft - an meine Seite zu binden hat anscheinend nicht geklappt... Naja, ich hab halt nicht die Mittel um sowas Medienwirksam aufzuziehen, so wie andere Leute. Und der BND war ja noch nie besonders schnell....
Apropos Mittel, seit geraumer Zeit wird ja unser schönes deutsches Vaterland schon am Hindukisch verteidigt. Und wie es aussieht macht es sich endlich bezahlt. Nicht das unser Land jetzt sicherer wäre, nö im Gegenteil, aber endlich bekommt Deutschland dafür soviel Aufmerksamkeit, wie es wohl seiner eigentlichen Rolle gebührt. In Afghanistan wurden in den letzten fünf Jahren von allen dort stationierten ausländischen Besatzungs... äh ...Verteidigungs... ehm... Friedenstruppen insgesamt 46 Milliarden € für Militärzwecke ausgegeben. In der gleichen Zeit wurden von denselben Ländern für zivile Zwecke nur knapp 8 Milliarden € (also alles was nicht Militär ist) gezahlt. Aber warum auch. Wer baut schon Schulen, wenn er Panzer haben kann?
akberlin - 12. März, 19:45
(Mittwoch, 17.01.2009, eine kleine Kaffeestube im Hinterhof eines heruntergekommenen Hauses in der Vorstadt von Hyderabad. In der Ecke sitzen ein älterer, ärmlich gekleideter Mann mit langem Bart und ein jüngerer Mann mit Vollbart und Anzug an einem Tisch, ansonsten ist es leer. Ein Mann mit Brille und Trainingsanzug betritt den Raum, sieht sich kurz um, geht zum Tresen, bestellt sich einen Kaffee und setzt sich ohne etwas zu sagen zu den beiden anderen Männern.)
[längeres Schweigen, sie schauen einfach vor sich hin]
Usama L. (أسامة بن لاد): [sieht auf und beginnt mit eindringlicher Stimme zu reden] Wir sollten unsere Taktik ändern... Wir konzentrieren uns viel zu sehr auf die großen Staaten...
Mahmud A. (محمود احمدی نژا): Wie meinst du das?
Usama L.: Wir sollten auch andere Staaten ins Visier nehmen...
[erneut längeres Schweigen, der Kellner - ein hagerer blonder Mann mit auffälligem russischen Akzent - bringt den Kaffee]
Kim J.: [nippt an seinem Kaffee, wobei seine Brille leicht beschlägt] Genau, jetzt wo wir die Bombe haben... [lächelt dünn]
Usama L.: Irgendeinen kleinen Staat den niemand kennt...
Mahmud A.: [beifallsheischend] Wie wärs mit der Schweiz. Niemand kennt die Schweiz, oder?
Usama L.: Es muß sie völlig unvorbereitet treffen...
Mahmud A.: [setz schnell nach] Oder Dänemark. Was ist mit Dänemark, die haben immerhin den Propheten beleidigt!
Usama L.: Es muß ein Staat sein mit dem keiner rechnet...
Mahmud A.: [ungeduldig] Na dann dieses Bayern, dann können wir auch hinterher die ganzen Juden dorthin schaffen!
[erneut längeres Schweigen]
Kim J.: [nimmt wieder ein Schluck Kaffee] Ich habs: Tschechien!
Mahmud A.: [nervös] Scheckien? Das hast du dir doch gerade ausgedacht, oder? Das gibts doch gar nicht.
Usama L.: Fantastisch. Das ist es. Damit rechnen die niemals... [wendet sich zum Kellner] Vladimir! Setz Kaffee auf. Darauf müssen wir anstoßen.
akberlin - 9. März, 13:27
Dass die Deutschen im Osten des Landes und die Deutschen im Westen des Landes ein besonderes Verhältnis zueinander pflegen, ist ja kein Geheimnis. Oft es ist ein dummer Witz, der das Ganze am besten zeigt. An und für sich kann man dies als Weg der Besserung betrachten - und das tue ich eigentlich auch - denn worüber ich Witze mache, damit setz ich mich auch auseinander. Aber manchmal geht das so tief unter die Haut, dass ich an Besserung einfach nicht glauben kann. Ganz besonders, wenn man das aus dem Mund eines Außenstehenden vernehmen muß.
Gestern traf ich - als ich gerade meine Miete bezahlt habe - in der Bar meiner Vermieterin einen Tschechen, der ziemlich gut Deutsch konnte. Meine Vermieterin wies ihn auch gleich darauf hin, dass ich aus Deutschland komme, worauf sich folgender Dialog entspann: "Ah, aus Deutschland. Woher?"
"Aus Berlin."
"Ost oder West."
"Ost."
"Oh. Naja, du kannst ja nichts dafür, aber Dunkeldeutschland bleibt Dunkeldeutschland. Wenn du weißt was ich meine."
(Gestern, kurz vor 17 Uhr)Ne, wußte ick wirklich nich, was er meente. So dunkel is dit doch jar nich bei uns innen Osten, oda?
akberlin - 7. März, 08:07