Der Czeche reist nicht gerne, aber wenig und dann selten. Am liebsten bleibt er zu Haus und besucht seine Kneipe oder das wunderschöne Grenzgebiet... Idyllische Einöden, verfallene Häuser, fast ohne Menschen. Nur ein paar Österreicher. Und auf diesen Spuren wandelte auch ich am letzten Wochenende. Viele merkwürdige Dinge habe ich gesehen. Waschechte tschechische Nazis, waschechte tschechische Bayern und waschechte tschechische Mitteleuropäer. Natürlich war auch wieder viel Kultur mit im Spiel, eine gute Gelegenheit dem lange vernachlässigten Bildungsauftrag wieder einmal nachzukommen. In diesem Sinne Bilder des Weltkulturerbes in
Krumau äh... ich meine
Český Krumlov:

- Blick von der Stadt auf die Burg

- Blick von der Burg auf die Stadt (, auch hier erkennt der aufmerksame Beobachter unseres Alltags mit geschulten Auge wieder Marzahn, denn merke: UNESCO-Weltkulturerbestatus schützt vor Plattenbauten nicht...)
Übrigens scheint das immer gleich auszusehen was die UNESCO so in Mitteleuropa als Weltkulturerbestatus vergibt. Oder ich bin einfach schon zu lange in Tschechien... Pragmatismus ist ansteckend.
Jedenfalls waren wir auf dem Rückweg noch in
Budweis äh... natürlich
České Budějovice. Und damit erreicht der
der p-log ein neues interaktives Level. Wer mir die drei bekanntesten Sehenswürdigkeiten in und um Budweis nennen kann, gewinnt einen original Sechs-Flaschenträger Budweiser Bier. Bei Gleichstand werden kreative Antworten bevorzugt. Einsendeschluß: Sonntag abend, 23:45 Uhr. Also gebt euch Mühe!
akberlin - 18. Mai, 19:29
Mein Gehirn funktioniert ab und zu doch noch!
(Ich sitze in meinem Stammcafe – im siebten Himmel; Enno, da haben wir ganz vergessen vorbei zu schauen – und schreibe am Blog. Am anderen Ende der Lokalität steht, am Tresen, ein rüstiger Mittvierziger, leicht schütteres, blondes Haar, trinkt Espresso und telefoniert. Sonst nur die üblichen Czechen...
Er: (laut) Also komm doch noch hier her, das ist so nen Café in der Nähe von... (schaut sich um) Wo sind wir hier?
(Niemand antwortet ihm, es fühlte sich ja auch keiner angesprochen.)
Er: (laut) Also das ist bei der Brücke, weißt du. (Ja. Das Cafe hier und ungefähr 128 weitere in Prag...)
Er: (laut) Wenn du am Nationaltheater stehst... (Ja. Wärmer!) Und dann... (noch lauter) NEIN. Das Theater am Ufer... GENAU. Und da gehst du dann rüber. (Über das Theater???)
Er: (laut) Auf der linken Seite... (noch lauter) NEIN. Von dir aus links... (Ja von wem auch sonst? Vom Tresen aus gesehen?)
Er: (laut) Und dann... (noch lauter) NEIN. F SÄDMÄM NÄBÄ. (Das tut weh im Ohr!) So ein blaues Schild...
So oder so ungefähr war es... So genau krieg ich das nun auch nicht mehr zusammen. Aber die Kellnerin schaute mich die ganze Zeit vorwurfsvoll an als ob sie zu sagen schien: DU hast die Macht es zu beenden. DU ALLEIN!
Er: (laut) Genau. Hinter der Brücke links in der Straße... (noch lauter) WAS? NEIN! Also nochmal von vorne...
(Doch ich war zu feige...)
akberlin - 16. Mai, 21:53
Heute: Der Schlandländer
Der beliebteste Tourist seit... äh seit... nun seit... ach verdammt! Es ist doch voll scheiße Deutsche in Prag (wahlweise: Pavel Banja, El Arenal etc.) zu treffen. Die werden dann total national-sentimental und meinen sich mit einem verbrüdern zu müssen. Dabei wollen sie einfach nicht begreifen, dass a. ich nichts mit ihnen zu tun haben möchte, b. ich hier nicht im Ausland, sondern gewissermaßen zu Hause bin und c. ich nichts mit ihnen zu tun haben möchte! Ansonsten gibt es soviele toitsche Touristen hier, dass es schwer fällt DEN Idealtyp darzustellen. Ich habe deswegen drei Situtationen ausgewählt, von denen ich eine schon wieder vergessen habe...
Situation #1
(Tante-Emma-Laden bei mir um die Ecke. Vor mir eine lange Schlange - ok, das ist normal - darin aber die Teilnehmer einer Klassenfahrt aus Schland. Alle haben gerade Geld getauscht und kaufen ein Bier oder eine Schokolade.)
Erster: Ey Alter, ist das Bier geil billig hier, oder?
Zweiter: Ja Mann! Aber auf jeden..
Verkäuferin: Padesatctyři padesat, prosim!
Erster: Was sagt die?
Zweiter: Da stehts doch, Alter. Vierundfünfzig fünfzig.
Erster: Geht klar... (Gibt ihr einen 1000-Kronenschein.)
Verkäuferin: Nemate drobné, pane?
Erster: Was?
Verkäuferin: Drobné?
Erster: (Guckt die Verkäuferin sprachlos an...)
Verkäuferin: Coins?
Erster: Nee, hab ich nich...
Zweiter: Lass dir mal noch ne Tasche geben, Mann!
Erster: Und eine Tasche noch!
Verkäuferin: Co?
Erster: (laut) TASCHE!
Verkäuferin: Tašku?
Erster: (laut) Ja!
Verkäuferin: Tři koruny.
Erster: Was?
Verkäuferin: Three crowns...
(Die Schmerzgrenze war hier schon lange überschritten, aber es kamen noch sieben weitere...)
Situation #3
(Straßenbahnhaltstelle am Wenzelsplatz. Später Nachmittag. Ein älteres Ehepaar, dem Akzent nach zu urteilen aus dem südwestlichen Teil der buntendeutschen Republik, steht hinter mir.)
Sie: Hascht du nach de Straschenbahn geschaut, wann die fährt?
Er: Natürlisch...
Sie: Und? Stündlisch oder halbstündlisch?
Er: Alle siebe Minute...
Sie: Alle siebe Minute? Ei, so oft?
Er: Ja...
Sie: Dasch ischt abe toll!
(An dieser Stelle im Gespräch würde ich mich gerne umdrehen und sagen)
Ich: Klar ihr Bonzen! Ist ja eigentlich auch normal, wenn man in einer Gegend wohnt wo nicht jeder zwei Mercedes hat.
(Tue ich dann aber doch nicht...)
akberlin - 13. Mai, 20:48
Mh. Anscheinend konnte sich Enno nicht wirklich dazu durchringen einen Gastkommentar über sein Wochenende zu schreiben. Naja. Dann biete ich eben wieder einmal Fotos aus der in so unendlicher Vielfalt fast schon wieder eintönigen Variation
Prag bei... an. Prag, was nicht nur als golden firmiert, sondern auch als hunderttürmig, wobei man logischerweise die anderen Türme von einem Turm aus am besten sehen kann - wahlweise dem Altstädter Brückenturm der Karlsbrücke...
Turmhaft äh Traumhaft!

- Die Türme der Altstadt...

- Dito, nur zur anderen kleineren Seite...

- Der neueste Turm in Prag! Die Anwohner nennen ihn liebevoll
Telespargel. (Nein ganz bestimmt nicht, aber das könnt ihr sowieso nicht nachprüfen. Um ehrlich zu sein, sie hassen ihn viel mehr!)
akberlin - 11. Mai, 10:30
Wie? Schon wieder? Mag sich jetzt manch einer fragen. Das hatten wir doch erst vor einer Woche - respektive zwei Blöggern... Ja, eben. Das ist genau der springende Punkt. Neue Woche, neuer Feiertag, die Czechen wissen wie's geht...
Am 8. Mai wird halt das Kriegsende gefeiert (und gleichzeitig das Ende des Prager Aufstands), was bedeutet ein Tag frei für alle (und die volle Beflaggung für alle öffentlichen Verkehrsmittel). Also zum ersten mal in meinem Leben kann ich fühlen wie das wäre, wenn mein Opa auf der richtigen Seite gestanden hätte. Und? Ja. Fühlt sich gut an. Und damit möchte ich zur Feier des Tages gleich noch einmal aus dem Tschechischen zitieren, um unseren deutschen Lesern zu verdeutlichen, WAS dieser Tag für die Czechen eigentlich bedeutete.
[Man achte hier auf die Vergangenheitsform, d.V.]Gleich wird wieder jemand sagen, dass es nicht richtig ist über DIE Deutschen zu reden, wenn man über die Nazis sprechen sollte. Irrtum! Es gibt keinen Unterschied zwischen den Deutschen und den Nazis. Kein Deutscher ist gut, sie sind nur schlecht und noch schlimmer. Nicht ein einziger Deutscher ist demokratisch. Jeder Deutsche ist vor allem Imperialist, Mammonsdiener und Sklavenhändler. Erst dieses echte ich, angeboren und durch Jahrhunderte gezüchtet, kleidet ein Mantel einer weltgewandten und politischen Meinung, beispielsweise auch der demokratische oder sozialistische Mantel.
(Ivan Herben, Ďáběl mluví německy (Der Teufel spricht deutsch), in: Svobodné slovo (Freiheitliches Wort), 1945; eigene Übersetzung) Yup, doch zurück zum Thema. Ich meine, warum stellen die Deutschen sich immer so blöd an? Jahrelange Debatte, war's eine Niederlage, war's eine Befreiung, war's eine Besetzung... So ein Blödsinn. Wenn man schon demütig ist, sollte man auch die guten Seiten mitnehmen, oder? Es war eine Befreiung. Schluß, Aus, Ende. Und ein Feiertag für alle mehr!
akberlin - 8. Mai, 22:27
(Sonntag, 29.04.2007, Lüttich, zwei sportliche braungebrannte Männer, die langsam aber sicher auf die vierzig zugehen sitzen in einem rosa äh magentafarbenen Camper, welcher auf einer Nebenstraße unweit des Stadtzentrums geparkt ist. Ein etwas jüngerer Mann steht vor dem Camper und raucht.)
Ersterer: Mensch. Lothar, dass der d'Hondt das alles nochmal aufrührt, das ist doch eh Jahre her...
Letzterer: Ja, und ich hab doch gesagt Rolf, wir hätten ihn wieder einstellen sollen als er gefragt. Wie kommen wir da jetzt nur raus?
Ersterer: Mh. Dementieren. Das waren eben bloß Gerüchte... und er hat sie aufgeschnappt.
Letzterer: Ja und du sagst am besten, dass du erst recht gar nichts davon wusstest, weil du ja bei Ete warst und nicht bei Ulle, und so...
Ersterer: Und ich sage dann, das Ulle schon immer seine eigenen Methoden hatte. (Macht beim Wort Methoden zwei Gänsefüßchen in der Luft.)
Letzterer: Mh, so könnten wir uns gegenseitig decken, falls nur nicht noch einer damit anfängt. Dieser Ampler zum Beispiel...
Ersterer: Ach, diesem Altossi glaubt doch sowieso keiner.
Letzterer: Stimmt auch wieder. Gut machen wir das so. Du kannst ihn wieder reinholen...
Ersterer: (öffnet die Tür und ruft) Christian, du kannst wieder reinkommen,...
akberlin - 3. Mai, 08:24
Traditionell gehört der erste Mai wem? Genau, den Radfahrern. Mit dem ersten Mai ist der böse Winter endgültig vorbei und es kann einer Saison voller Sonne glücklich entgegengeblickt werden, oder so ähnlich... Jedenfalls wurde eurer verehrter Erzähler heute morgen kurz nach sieben von den freundlichen Stimmen der Ordner geweckt, die begannen den ganzen Block für ein Radrennen abzusperren. (So müssen sich die Anwohner an der Bergmannstraße also immer gefühlt haben.) Aber - dachte ich mir - wenn der Radsport schon mal zu mir kommt, kann ich mich nicht kleinlich zeigen.

- Auch falls ich mich wiederholen sollte: SPAAARTA PRAAAHA (ach diese Farben...)
Radsport quasi vom Frühstückstisch aus. Und zwar mit allen Alterklassen von der U13 aufwärts. Und bestimmt noch ehrlicher als der Sieg von Patr... äh... [ZENSIERT]... am Henn... mh... [ZENSIERT]..., oder?

- Wie mit einer leichten Kopfbewegung nach rechts feststellen ist, wohne ich an der 200m Marke!
Am Ende hab ich dann auch festgestellt, dass Seniorenrennen wahrscheinlich überall mit derselben Verbissenheit gefahren werden.
akberlin - 1. Mai, 21:01
Nun die Czechen haben
Qui gesagt - respektive
Ano - zu einem Staudamm. Obwohl, wahrscheinlich wurden sie einfach gar nicht gefragt, so wie beim Raketenabwehrsystem. Jedenfalls ist der Staudamm von
Slapy das, was der kommunistische Reiseführer aus dem Jahr 1978 als "die letzte Staustufe der Moldau vor Prag und gleichzeitig die Vollendung der Industrialisierung des oberen Moldaulaufes" bezeichnet. Alles klar? Als Ziel meines wochenendlichen Radausflugs mußte von dort aus natürlich gleich noch ein Foto minderer Qualität auf das wunderschöööne Moldautal angefertigt werden...

akberlin - 30. April, 10:08