Jeden Sommer spielt sich in Prag ein Schauspiel ab, dass einem nicht Eingeweihten mit unter schon mal merkwürdig anmuten kann. So auch mir, der sich diese Woche in Prag im Archiv noch ein paar alte Zeitungen für die Magisterarbeit kopieren wollte. Doch nichts. Ich bin schon wieder zurück in Berlin. Und warum? Ganz einfach, denn ganz Prag ist momentan geschlossen.
Geschlossen, höre ich da manche fragen. Ja. Ein großes dickes Schild müßte eigentlich schon auf dem Hauptbahnhof stehen: Prag. Vorübergehend geschlossen. Sie können gerne aussteigen, aber wir versichern ihnen es hat sowieso nichts offen. Tja müßte. Tut's aber nicht. Diese Erfahrung muß man wohl oder übel selbst machen. Und sie besteht im großen und ganzen aus vier Teilen:
1. Die Straßenbahnen und U-Bahnen fahren nur sehr eingeschränkt.
2. Die Universität und alle Bibliotheken - inclusive der Nationalbibliothek - sind einfach zu.
3. Die Warmwasserversorgung im ganzen Stadtgebiet ist ebenfalls abgeschaltet.
4. Es sind noch weniger Tschechen in der Stadt als sonst.
Das erklärt übrigens auch, warum mehrere Tschechen, die ich kenne, gerade auf Besuch in Berlin sind. Je mehr man über diese Prager Eigenart nachdenkt, desto mehr kommt man zu dem Schluß, das dies in Berlin und Deutschland, unserer leistungsorientierten Doping (Freud!) Gesellschaft natürlich überhaupt nicht möglich wäre.
Aber ist das jetzt positiv oder negativ? Einfach mal vier Wochen zum kollektiven Nichtstuen verdammt sein oder andersrum einfach mal vier Wochen frei machen egal ob Rendite, Börsenkurse und zweifelhafte BWL-Effezienzkriterien das gut heißen oder nicht...
(24.07.2007, nachmittag, kurz nach 16:30, ein Telefon klingelt...) JJ: Hallo? McQ: Ja, ich bins... Hast du's schon gehört? Es hat geklappt! JJ: Gut. McQ: Ja und ich wollte mich nur nochmal für den Tipp bedanken... JJ: Keine Ursache. McQ: Könntest du uns noch jemand liefern? JJ: Mh... Natürlich! Aber das kommt drauf an, wen du haben möchtest? McQ: Wie? JJ: Naja, ein Tourfahrer kostet mindestens 20.000. Sonstige 15.000, Helfer 10.000... McQ: (schweigt) JJ: Aber wenn du zwei Tourfahrer nimmst, bekommst du einen Spanier oder Italiener umsonst dazu. McQ: (schweigt) JJ: Oder du nimmst den Mannschaftspack, ein komplettes Team mit sportlichen Leitern und Betreuern kostet nur 200.000. McQ: Könnten wir das nicht mit deiner Strafe verrechnen? JJ: Sagen wir einen weiteren Top-Ten-Fahrer und ich darf nächstes Jahr wieder fahren? McQ: Das klingt fair.
Also das war doch wieder mal ein sehr schöner Abend. Obwohl ja dann doch noch die Polizei kam - zum ersten Mal überhaupt in unsere schöne WG - diese Spießer aus dem Innenhof! Nur ein bißchen Heimatfolklore aus dem Erzgebirge und schon hetzen sie einem die Staatsmacht auf den Hals. Da hätte ich der Friedrichshainer Bevölkerung doch etwas mehr Toleranz zugetraut. Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit bis sie den Neger äh... Schwarzen... ähm... also den Deutschen mit Herkunft aus einem eher wärmeren Koninent im Süden von gegenüber wegen seiner Musik beim Verfassungsschutz melden. Diese... äh faschistoiden Spinner. Ansonsten aber ein durchaus gelungener Abend... auch wenn jemand die leere Pringelspackung über eine halbvolle Bierflasche gestülpt hat. Ich weiß, das muß am Freitag wie ein guter Gag ausgesehen haben, aber ich kann versichern: Am Samstag morgen... also nachmittag beim aufräumen, war der nicht mehr so lustig. Ansonsten rundum gelungen, trotz der halben Salzstangenpackung die gleichmäßig um den Mülleimer herum verteilt wurde... Sehr schön wars jedenfalls gewesen, hier ein paar Eindrücke für alle die nicht kommen konnten...
Da hab ich doch gestern glatt vergessen einem alten tschechischen Freund zum Geburtstag zu gratulieren. Was für ein Fauxpas... Hodně štěstí a zdraví! Aber das kann man selbstverständlich noch nachholen. Alles Gute zum 650. Geburtstag liebe Karlsbrücke. Gut gehalten hast du dich. Bleib am besten so wie du bist und lass dich nicht von den Touristen unterkriegen! Mach weiter so!
Es gibt Klassiker und es gibt Klassiker. Während bei den ersten die Zeit - unzwar die schnellste - im Mittelpunkt steht, sind die anderen völlig zeitlos. Hier ein gutes Beispiel aus der zweiten Kategorie...
Seit drei Tagen bin ich wieder in Berlin und ich muß sagen, dass sich alles verändert hat. Unglaublich. Nehmen wir als Beispiel die Humboldt-Universität. Die ist jetzt Teil der Exzellenzinitiative des Wissenschaftsministeriums, sie wird jetzt ein Leuchtturm der Bildung, die Zukunft Deutschlands, das Ende allen Übels, der Beginn einer neuen Zeit. Aber was sagen darüber schon Worte aus... Wie hat man sich das ungefähr vorzustellen? Am besten läßt sich das an ein paar anschaulichen Beispielen erklären:
Serviettenspender in der Mensa: leer
Seife auf der Toilette: keine
Anzahl der funktionierenden Kopierer: 0
Soviel Cleverness hätte man dem Ministerium da gar nicht zu getraut... Durch gezielte Erzeugung von Mangelerscheinungen soll der Geist deutscher Akademiker wieder zu Höchstleistungen angeregt werden! Ein geniales, ja geradezu exzellentes Konzept. Das könnte man doch glatt auf unsere Gesellschaft ausweiten, damit Deutschland endlich, endlich, endlich wieder aus dem Sumpf der Armut und Verzweifelung herauskommt. Beispielsweise:
Benzin an den Tankstellen: keines
Funktionierende Wasserversorgung: nein
Anzahl der funktionstüchtigen Internetzugänge: 0
Manchmal, aber nur manchmal, leuchtet ein Leuchtturm aber auch nur, weil man es sich ganz fest einbildet...
Was ist zwanzig Meter lang, hat die Lautstärke eines startenden Düsenjägers und den IQ von Paris Hilton? Richtig. Eine stag party aus den Vororten der arbeitenden, englischen Unterschichten.
- Peter, Paul und Kevin... oder wie sie sich gerne in ihrer Freizeit nennen Money bags, George Foreman und Onslow...
Ach, was werde ich diese Jungs vermissen... Immer noch unglaublich wie es die Briten geschafft haben, mit diesen Leuten die halbe Welt zu erobern und zu regieren. Oder überhaupt eine Sprache zu erschaffen.
Auch werde ich es vermissen mit ebensolcher in "gesungener" Form, ganz imperial versteht sich - wachgeküßt zu werden... Am besten so nachts um halb drei... Rule Britannia, Britannia rule the waves. Britons never shall be slaves! ... and never sober, möchte man da am liebsten hinzufügen.
linkes für pokročilé...
slovnik.seznam.cz
Tschechisch-Fremdsprache, Fremdsprache-Tschechisch
Vyborně!
www.reflex.cz
Reflex. Spolčenský Týdeník.
Der Spiegel. Nur besser! ...und billiger.
www.respekt.cz
Respekt. Časopis.
DIE sehr respektable WochenZEITschrift...
www.radio.cz
Die tschechische Welle
Alles was ihr schon immer über Tschechien wissen wolltet, aber euch nie zu fragen trautet. Sogar in Deutsch!
www.blisty.cz/
Mlada Fronta Dnes Online
Alles, über das tschechische Zeitungen nicht schreiben