Letztes Wochenende - letzter Wandertag. Diesmal wirklich: Tagesausflug in die Beskiden. Der höchste Berg ist etwas über 1300 Meter hoch. Für einen kurzen Augenblick habe ich mir gewünscht in Geographie bei Frau Paschmann besser aufgepasst zu haben. Ist das mit über 1000 Meter noch ein Mittelgebirge? Vielleicht kann ja mal jemand diese durchaus nützliche Information hier nachtragen. Sag mal Zecke, hattest du nicht sogar Geographie Leistungskurs?
Jedenfalls sind wir nur auf 968 Meter gekommen, deswegen hat mich die Frage dann doch nicht mehr so beschäftigt. Interessant ist übrigens, was man in anderen Ländern unter Wandern versteht. Bei unseren tschechischen Führern hiess das vom Bahnhof aus ungefähr eine Stunde durch die Stadt Richtung Berge zu laufen. Vorbei an dem wohl umweltverschmutzenden Industriekomplex in Mitteleuropa seit sie die Buna-Werke in Halle/Saale saniert haben. Bei den Portugiesen hiess es ungefähr alle gefühlten 15 Minuten durch Hosen- und Schuhwechsel eine Anpassung an die wechselnde Aussentemperatur vorzunehmen. Doch das war alles nichts gegen meine österreichischen Freunde...
Die an der obigen Karte entbrannte Diskussion, welchen Weg zu nehmen - den langen schattigen oder den kurzen sonnigen - entschieden sie auf ganz eigene Art zu ihren Gunsten und wählten einfach den kürzesten Weg zwischen beiden Punkten (vgl. Pfeil). Und das ist noch immer die Gerade. Radfahrer (und auch sonst normale Menschen) wissen, dass Serpentinen nicht nur aus einem Überschuss an Geld und Material gebaut werden. Leider bin ich zu weit hinten den Berg reingefahren um da vorne bei der Entscheidung ein Wörtchen mitreden zu können. So musste ich die Hälfte des Berges mit Blick auf meine Füsse aufgrund der 40prozentigen Steigung zurücklegen. Danach bin ich mit dem Grupetto freiwillig ausgestiegen und auf dem "langen" Weg über die Serpentinen nach oben gelaufen. Und ich dachte immer beim Wandern ist der Weg das Ziel! Aber unsere
Schluchtenscheisser Österreicher waren sogar noch eher oben, als die die mit dem Lift gefahren sind. Der schnelleste Verbindung zwischen zwei Punkten ist scheinbar auch die Gerade...
Ich jedenfalls hab dann den Spurt aus dem Grupetto gewonnen und hatte sogar noch Zeit dieses Foto zu schiessen, was mich aufs wärmste berührt hat. Kommt es irgendjemandem bekannt vor???

akberlin - 11. September, 21:22
Eine Sache für die Ostrava weltberühmt ist, ist eine Strasse namens
Stodolni. Sogar aus der USA kommen Leute um diese Strasse zu sehen. Was also ist diese ominöse
Stodolni???
Ganz einfach: Eine Strasse, die nur aus Klubs und Diskotheken besteht (vgl. auch
http://www.stodolni.cz/mapa.php?).
Das hat natürlich unheimliche Vorteile: Das Problem, wo man den abends hingeht hat sich damit ganz erledigt. Die typische Wochenenddiskussion (und bei den Studenten natürlich auch die Feierabenddiskussion) gestaltet sich folgendermassen:
"Wo gehn wirn hin?"
"Na auf Stodolni!"
"Alles klar..."
Eigentlich hat man die Diskussion damit nur vom Studentenwohnheim auf die Strasse verlagert, denn die Klubs sind alle sowas von gleich schlecht (oder schlechter), dass man sich wie so oft doch nicht entscheiden kann. Mein "Geheimtipp" ist ein Laden namens
Desperado (der vorletzte Klub auf der linken Seite). Hat jemand vielleicht den Film
Coyote Ugly gesehen, wo die Frauen auf der Bar tanzen? Ja, so in etwa kann man sich das hier auch vorstellen, nur tun die Frauen das hier ohne Bezahlung, sprich freiwillig... Ähh... Apropos Studentenwohnheim. Im Tschechischen wird ein und dasselbe Wort (
kolej) für das Studentenwohnheim und das Bahnhofsgleis verwendet. Nomen est omen, oder was?
akberlin - 8. September, 21:02
Gerade sitze ich wieder im Wi-Fi Cafe. Man kennt mich hier schon - der Deutsche, der krampfhaft versucht tschechisch zu sprechen. Aus Angst ich könnte irgendetwas nicht verstehen, sagt man mir hier immer alles zweimal: Einmal auf Tschechisch und dann nochmal auf Deutsch. Aber immerhin habe ich mir schon den Status erarbeitet, dass zuerst wirklich Tschechisch geredet wird. Meistens ist es so, dass sofort Englisch oder Deutsch gesprochen wird, wenn auffällt das ich kein Tscheche bin - und das ist meist nach dem zweiten Satz der Fall ("Dobrý den" kann ich schon recht gut...)
Die Chefin hier hat mich schon richtig ins Herz geschlossen. Sie spricht fast perfekt Deutsch und die ersten beiden male wo ich hier war, verliefen ungefähr so:
"Odkud jse?"
"Německo..."
"Ah, aus Deutschland. Gut! Woher?"
"Z Berlina..."
"Ah, Berlin! Guuut! Ost oder West?
"Ost..."*
"Ostberlin! Guuuuut! Sehr schön!"
(* hier endeten leicht ersichtlich meine Versuche tschechisch zu sprechen)
Wie gesagt, das passierte zweimal. Nicht mehr und nicht weniger. Aber der Ostberlin-Vorteil scheint sich hier wirklich zu meinen Gunsten auszuzahlen. Die Chefin raunt mir immer geheimniskrämerisch zu, was heute an Kuchen, Torten und Sandwiches neu eingetroffen ist...
Da ich dasselbe schon mal mit dem Hausmeister des ZSKA Hotels in Sofia erlebt habe, bin ich geneigt das Ganze auch in die erst gestern fortgesetzten Liste einzureihen:
12. Ostberlin wird für guuuuut gehalten.
Nur zwei Fragen bleiben ungelöst. Erstens, was wäre wohl die Antwort gewesen auf eine andere Stadt als Berlin. Und zweitens - viel interessanter - was wäre wohl die Antwort gewesen auf Westberlin?
akberlin - 7. September, 15:51
Zwei weitere Dinge die mir heute ein/aufgefallen sind und die in die Kategorie "Woran merkt man, dass man in der Tschechischen Republik ist." gehören:
10. noch halbwegs realsozialistische Arbeitseffizienz
(Heute morgen stand ich beim Bäcker. Eine alte Frau vor mir. Hinter der Theke zwei Angestellte. Und was soll ich sagen? Sie haben wirklich beide die Frau bedient. Die eine hat eingepackt, was die alte Frau gesagt hat und die andere hat das dann in der Kasse eingetippt. Dieses faszinierende Spiel erstreckte sich bestimmt über drei bis vier Minuten. Danach haben sich die beiden - trotz mittlerweile gewachsener Schlange hinter mir - auch liebevoll um meine Wünsche gekümmert...)
11. Wenn du auf Klo bist, sei dir bewusst immer Klopapier am Mann/an der Frau zu haben. Es gibt da verschiedene Fälle - hier die beiden wichtigsten in Kürze:
I. Studentenwohnheim: Auf der Toilette gibts nüscht. Zwar gab es zur Begrüssung für jedes Zimmer eine Rolle einlagiges, graues Klopapier, aber nachdem diese - doch relativ schnell - verbraucht war, war man auf sich allein gestellt. Will man nicht 20 Klopapierrollen für dreieinhalb Wochen kaufen, muss man sich - so wie ich - sein Klopapier zusammenborgen. Das habe ich inzwischen fast perfektioniert...
II. Universität/Cafes: Auf der Toilette gibt es einen Klopapierspender, allerdings nicht direkt auf dem Lokus, sondern im Vorraum am Waschenbecken bei den Papierhandtüchern. Auch hier beugt also nur die rechtzeitige Erinnerung bösen Überraschungen nach vollendeter Tat vor.
akberlin - 6. September, 23:38
Heute mal ein ganz spontaner Eintrag, der mir beim Lesen der Kommentare eingefallen ist. Noch mal ein kurzer Rekurs auf Punkt 1. der Liste, woran man merkt, dass man in der Tschechischen Republik ist. Ich zitiere:
1. Bei Plus wird in vielfältiger Auswahl das Bier verkauft, was bei uns höchstens Tante Reichelt im Sortiment führt.
der p-log (22.08.)
Exkurs:
Es soll hier nicht darum gehen wie billig fast alle Sachen - vor allem Bier - in der Tschechischen Republik sind. Das ist eigentlich relativ logisch und gar nicht der Rede wert. Und übrigens ein Grund warum viele Leute hier Ausländer nicht leiden können. Viele - vor allem halt Deutsche - werfen nämlich deswegen mit dem Geld um sich und machen richtig auf dicke Hose. Also legen wirklich eine sympathische und gern gesehene Eigenschaft an den Tag... Übrigens nicht so unsere Gruppe. In Olomouc waren wir in einem der besten Restaurants Mährens. Und ja wirklich, die Preise waren doch dreistellig. Ein halber Hase, gebraten mit Rotkohl und Knödel, kostete tatsächlich 200 Kronen (7,15 Euro). Das ging nicht, alle nix wie raus und dorthin wo das Essen gefälligst im zweistelligen Bereich liegt. Nein, so was kann man sich nicht gönnen! Was fällt dïesen Bauernfängern eigentlich ein? Stop! Man sieht, die Wahrheit liegt wie immer irgendwie dazwischen...
Egal, bei Plus gibt es circa 10 Biersorten, die dem Preis nach in absteigender Reihenfolge in Richtung Kasse sortiert sind. Das teuerste Pilsner Urquell (16 Kronen/57 Cent), danach die einheimischen Ostravar (14 Kronen/50 Cent) und Radegast (12 Kronen/43 Cent), das beliebte Krušovice liegt hier nur im Mittelfeld (8 Kronen/27 Cent) und ganz hinten das tschechische Sternburger mit dem für Biere typischen Namen Troll (3 Kronen/11 Cent). Was soll ich sagen - man muss sie alle lieben. Jedes einzelne ist besser als die gesamte Jahresproduktion der meisten deutschen Brauereien...
Dann verkauft Plus aber noch seine eigene Biermarke Schloss (16 Kronen/57 Cent in Plasteflaschen), die auch bei uns erhältlich ist. Und da wurde ich doch philosophisch. Wer kauft bitte schön einen Trabanten, wenn er jedes andere Auto zum gleichen oder zu einem niedrigeren Preis haben kann?
akberlin - 5. September, 20:37
Am Sonntag waren wir in Olomouc. Die halbe Stadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Zumindestens wird einem das relativ häufig von den Tschechen erzählt, die scheinen da ziemlich stolz drauf zu sein... Dabei ist mir eingefallen, dass ich nicht eine einzige Sache nennen könnte die in Deutschland zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Gehört unser Fernsehturm - der trotz entgegengesetzter Behauptung immer noch nicht wie ein Spargel aussieht und auch im Volksmund nie so genannt wird - auch dazu? Und wenn nein, warum eigentlich nicht? Jedenfalls aufgrund Mangels wirklich erinnerungswürdiger Geschichten folgt jetzt mal ein (etwas anderer) optischer Eindruck von Olomouc - abseits des UNESCO Weltkulturerbes...
- Ein Unterhemd
- Eine Idylle im Hinterhof
- Hohenschönhausen ;-) ist überall, ÜBERALL!

akberlin - 4. September, 22:18
Zwei ausgedehnte
Wandertage Ausflüge an diesem Wochenende. Am Samstag haben wir den ältesten Steinkohletagebau der Tschechischen Republik besichtigt. Sagenhafte
5 Meter unter der Erdoberfläche versuchten uns deren ehemalige Kumpel in ihrem besten (und mir meist völlig unverständlichen) Tschechisch dessen Geheimnisse und Tradition näher zu bringen. FAZIT: Bergmann von der Liste der möglichen Jobs nach erfolgreichen Geschichtsstudium streichen1 Spätestens mit Mitte 30 hätte ich einen mittelschweren Bandscheibenvorfall. Trotzdem ist es unglaublich wie viele verschiedene Geräte es gibt, die wahrscheinlich nur im Bergbau verwendet werden können...
Letztlich gabs auch noch ein weiteres mehr oder weniger mit dem Bergbau verbundenes Ergebnis für die Gestaltung des restlichen Tages: All der aus dem Berg mühsam (wie Erich) herausgeschlagene Schutt wurde in grossen Haufen rund um Ostrava aufgeschüttet. Einer dieser Haufen ist nach mindestens einem Jahrzehnt innerlich noch so warm, dass an manchen Stellen warmer Dampf austritt. Echt seltsam und keine Ahnung warum, jedenfalls hat man (wie Frau) von diesen renaturierten Haufen einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt. Und so konnte ich am Ende des Tages den Bergbau doch noch etwas gutes abgewinnen...

akberlin - 3. September, 23:38
Dass Denkmäler der roten Armee – vornehmlich bestehend aus T34 oder T58 Panzern – fast jede größere Stadt östlich der Elbe verzieren, ist ja bei weitem kein Geheimnis. Im übrigen auch hier nicht. Was aber macht ein Panzer der Wehrmacht an einer untergeordneten Straßenkreuzung in Ostrava? Ein Mahnmal des Sieges, solange bis die Zeit und der Rost jedes Gedenken erübrigen?

akberlin - 1. September, 16:00