Prag - die goldene Stadt... Und ich mittendrin. Allerdings kann ich mein USB-Kabel für den Fotoapparat nicht finden. Das muß wohl zu Hause liegen. Enno, kannst du mal nachgucken? Ach ne da liegt es ja. Für einen Moment dachte ich wirklich ich muß ganz ohne Fotos im p-log kommentieren... Ich war nämlich heute auf der kleinen Anhöhe hinter meinem Haus, dem Petřín, 324 m hoch.
- Hradčany und Pražsky Hrad
Das große Haus direkt unterhalb der Kathedrale am Waldrand ist die deutsche Botschaft. Nicht schlecht, was? Da weiß man wo die Steuergelder hingehen. Naja meine zwar nicht... Der geneigte Leser mag sich auch noch erinnern das hierhin im Jahr 1989 viele ostdeutsche Mitbürger geflüchtet sind. Man beachte außerdem im Hintergrund (wie immer):
Marzahn!
- Moldau, links Malá Strana und rechts Staré Město
Die Brücke ganz rechts ist die Karlsbrücke. Leicht erkennbar an den vielen Fußgängern, vorwiegend Deutsche und Engländer. Es soll da unten aber auch ein paar Tschechen geben!
- Moldau, hinten Nové Město und vorne Smíchov
Über diese Brücke gehe ich jeden morgen zur Uni. Meine Garsoneria ist ganz rechts am Rand von den Bäumen verdeckt. Links hinten ist der Telespargel von Prag. Keine Ahnung ob ihn überhaupt jemand so nennt, aber ich behaupte das jetzt einmal. Noch weiter hinten rechts - man kanns nicht mehr sehen - müßte dann Hohenschönhausen sein. Da soll nach Hörensagen auch das Studentenwohnheim liegen...
akberlin - 26. September, 21:17
Nach Marathon, Zugfahrt mit üblicher Verspätung und viel zu vielen Begegnungen mit Deutschen auf nur 5 km Straßenbahnfahrt saß ich gestern Abend völlig erschossen in einem Restaurant (wahrscheinlich Kategorie II) bei mir um die Ecke und habe versucht meinen Magen mit einem riesigen Schnitzel zufrieden zu stellen. Am Tisch neben mir plötzlich schon wieder Deutsche, ne Schwaben oder so was, jedenfalls versuchte ich unerkannt zu bleiben und bediente mich des tschechischen Idioms. Der Kellner dankte es und sprach mit mir in derselben Weiße, NUR: irgendwie habe ich gar nichts verstanden und antwortete einfach kontextbezogen mit „ano“ oder „ne“. Das Ganze auf die späte Stunde schiebend ging ich zu Bett. Doch heute morgen lief ich prompt dem Hausmeister über den Weg, der sich zu fragen schien wer ich eigentlich bin. Wahrscheinlich hat er mich das auch gefragt, aber ich habe wiederum nichts verstanden. Nur „Entschuldigung, ich nicht verstehen“ genuschelt und nichts wie zur Tür raus. So was sieht bestimmt jeder Hausmeister mit Freuden! Beim Frühstücken dann im Cafe, die Kellnerin, achja…
Mittlerweile ist der Schalter umgelegt. Meine Vermieterin konnte ich zur Vertragsunterzeichnung schon mit meinen Basis-Tschechisch beeindrucken. Danach am späteren Nachmittag habe ich dem Hausmeister dann stolz verkündet, dass ich auch viel mehr verstehe als ich sagen kann. Es geht eben immer nur darum sich eine Geschichte zu erzählen, man muss sie nur noch selbst glauben...
Anmerkung in eigener Sache:
Ich bin jetzt stolzer Besitzer einer tschechischen Vorausbezahltkarte mit der Nummer +420 776 779 359, mit der ich unglaublich billig SMS schreiben kann. Ihr könnt trotzdem auf meine deutsche Nummer antworten…
akberlin - 25. September, 22:49
18? - Ja.
20? - Yupp!
21? - Sicher...
23? - Mit!
24? - Ne, da bin ick weg!
Ausgereist!
akberlin - 24. September, 17:42
Nach 42,195 km Marathon werde ich morgen den Zug mit Ziel Prag besteigen. Hier hält mich nichts mehr: die Wohnung ist geräumt, die Schlüssel abgegeben, die Taschen sind gepackt, die Festplatte gelöscht und die Procycling gekündigt...
Fazit von 10 Tagen Aufenthalt im eigenen Land? Der Deutsche ist gemeinhin sehr mittelungsbedürftig! Nicht, dass das der Tscheche oder die Tschechin das nicht wäre, aber ich verstehe ihn oder sie einfach nicht, wenn ich mir keine Mühe gebe. Hier hingegen führt unweigerlich jedes Wort meiner Mitbürger zu einem Sinnzusammenhang in meinen Kopf, auch wenn sie keinen Sinn machen.
Mein nahezu unübersetzbarer Lieblingssatz in den letzten zehn Tagen war dabei folgender, welcher mir auf meinen Bergrad längs der "falschen" Gehweigseite im Schritttempo rollend entgegengeworfen wurde:
Du kennst wohl nicht die Straßenverkehrsordnung?
(Passant, Frankfurter Allee, 15.09.2006)
Was wollte mein lieber werter Mitbürger damit wohl erreichen? Ich sehe da zwei Fälle:
A. Ich kenne die Straßenverkehrsordnung nicht und durch seinen freundlichen Kommentar wollte er mich darauf hinweisen mich mit derselbigen auseinanderzusetzen...
B. Ich kenne die Straßenverkehrsordnung und durch seinen freundlichen Kommentar wollte er mir auf eine ironisch-lustige Weise meinen Fehler offenbaren...
So oder so in Zukunft kann ich mir diesen wohlgemeinten Ratschläge lebenserfahrener Zeitgenossen ersparen, indem ich einfach abschalte!
akberlin - 23. September, 20:05
Eines muß man meinen Freunden von der tschechischen Bahn wirklich lassen: Sie sind nahezu perfekt auf dem Gebiet der
informace - Information
Falls ihr mal auf einem tschechischen Bahnhof steht, dann werdet ihr bemerken, dass jede Ansage in drei Sprachen (Tschechisch, Englisch und Deutsch) durchgegeben wird. Und ich meine hier nicht: "Der Zug aus chr---prj nach zzzsch über rrrzzt hat Einfahrt auf Gleizzzz..." Nein! Der halbwegs geographisch bewanderte Mitteleuropäer hat hier seine wahre Freude:
Bahnhof Prag-Holešovice: Der EC 714 von Budapest-Keleti über Szob, Sturovo, Nové Zamky, Bratislava hlavní stanice, Kuty, Breclav, Brno hlavní nadraží, česka Trebova, Pardubice hlavní nadraží, Kolin, planmäßige Ankunft 13:25, hat mit 25 Minuten Verspätung Einfahrt auf Gleis 3. Der Zug fährt weiter über Usti nad Labem hlavní nadraží, Děcin hlavní nadraží, Schöna, Bad Schandau, Dresden Hauptbahnhof, Dresden-Neustadt, Berlin Südkreuz, Berlin Hauptbahnhof tief, Berlin-Spandau, Wittenberge, Ludwigslust, Hamburg Hauptbahnhof, Hamburg Dammtor nach Hamburg-Altona.
Nicht nur das es eine durchgehende Verbindung von Budapest bis Hamburg gibt, das wirklich erstaunliche ist, dass exakt diese Durchsage in drei Sprachen erfolgt! Das bedeutet wiederum, dass die Ansage bereits 5 Minuten vor Einfahrt des Zuges beginnt. Hier trennt sich auch der erfahrene Tschechienreisende vom Pauschaltouristen: Während der letztere hektisch seine Taschen greift und an der Bahnsteigkante dem eh schon mit 20 Minuten Verspätung (zpoždění, siehe Teil I) lange erwarteten Zug entgegenschaut, weiß letzterer um die ausgiebige Informationsbereitschaft der české drahy und bleibt gelassen.
Allerdings werden die Prager von ihren Genossen ähh Kollegen in Pardubice in der Informationsbereitschaft deutlich auf den zweiten Platz verwiesen: Ungefähr alle fünf Minuten wird hier auf dem Bahnsteig durchgesagt, dass man sich auf dem Pardubice hlavní nadraží befindet. Und das wahrscheinlich nur für den Fall, dass jemand die Tafeln auf dem Bahnhof nicht lesen kann... Wenn ich mal einen akuten Gedächtnisschwund haben sollte, möchte ich dies doch auf einem Bahnsteig der tschechischen Bahn erleben. Wahlweise in Pardubice, aber jeder andere Bahnhof wie Praha-Holešovice wäre auch noch gut!
akberlin - 19. September, 22:55
Da Reisen immer eine internationale Sache ist, muss natürlich für jeden Reisenden auch ausreichend deutlich gemacht werden, mit welchen Verkehrsmittel er dabei am besten vorankommt. Eine weitere wichtige Vokabel hierfür ist das Wort:
pendlovat - pendeln
Meine Freunde von der tschechischen Bahn haben diesen schönen Germanismus der tschechischen Sprache mit der Deminutivform des Italienischen gekreuz(ig)t, um so ihren neuesten Zug zu bezeichen: Pendelino. Dieser IC-Nachbau ähh dem IC nachempfundene Zug, der den vollen Namen Supercity Pendelino trägt, verbindet die großen der Städte der Republik. So auch Prag und Ostrau. Den schönen Namen Pendolino trägt er aber wahrscheinlich aufgrund seiner mißratenen Neigetechnik, wodurch er ständig von links nach rechts pendelt. Meinen von der Abschiedsfeier noch leicht angeschlagenen Magen hat das gar nicht gefallen...
Anscheinend haben sich meine Freunde von der tschechischen Bahn - ich könnte noch ganze Wochen über sie im P-log schreiben - mit diesem Projekt ein schönes Ei auf die Schiene genagelt. Denn der Supercity Pendelino kann all das was ein normaler Zug auch kann, nur eben schlechter. Die Sitze sind wie in einem Transporter von Opel senkrecht nach oben gestellt. Der Platz für die Beine ist geringer als bei einem Interkontinentalflug von Air France. Das Zugrestaurant, wo man für drei Euro ein reichhaltiges Frühstück haben konnte, wurde durch ein "Bistro" ersetzt, wo es außer Würstchen und Bier nur schwachen Kaffee gibt. Und in die Gepäckablage paßt gerade mal ein Ipod Mini... Für das Ganze durfte ich dann noch einen Reservierungszuschlag zahlen. Meine Taktik kein Tschechisch und Englisch zu verstehen ging nicht auf, da der Schaffner danach in perfektes Deutsch verfiel und mir so schnell auf Französisch keine passende Antwort in den Sinn kam. Ach ja, die Klimanlage funktionierte auch nicht. Und die veranschlagte Fahrzeit war genauso lang wie bei dem herkömmlichen Zug, mit dem ich die Hinfahrt bestritten hatte. Doch das war kein Wunder, denn wenn sie mit dem Ding schneller gefahren wären, hätten sie Kotztüten an die Reisenden austeilen müssen.
Das einzige Positive war, dass dieses Meisterwerk moderner Technik mit nur 15 Minuten Verspätung (zpoždění, siehe Teil I) deutlich unter dem üblichen Erwartungswert der české drahy blieb!
akberlin - 17. September, 09:00
Reisen in einem fremden Land ist immer eine aufregende Sache. Um darauf so gut wie möglich vorbereitet zu sein, empfiehlt es sich immer das grundlegende Vokubalur fürs Reisen parat zu haben. Im Tschechischen dreht sich das Reisen mit dem Zug primär um ein Wort:
zpoždění - Verspätung
Nicht ein einziges mal in dreieinhalb Wochen Reisen mit der české drahy habe ich dieses Wort nicht benötigt. Normal sind 20 Minuten, aber auch ein halbe bis eine ganze Stunde sollen durchaus üblich sein. Wenn man also ein in einem Zug sitzt der ungefähr eine viertel Stunde Verspätung hat, braucht man sich keine Sorgen machen, da der Anschlusszug mit größtmöglichster Wahrscheinleichkeit die gleiche oder eine höhere zpoždění hat.
Das genau umgekehrte gilt allerdings für den öffentlichen Nahverkehr - besonders in Ostrava. Die Busfahrer bemühen sich wirklich ihre Fahrgäste schnell an Ziel zu bringen - mit dem Ergebnis, dass fast alle Buse drei bis vier Minuten zu früh kommen. Alles in allem auch eine ziemliche Unpünktlichkeit. Die skrupellose Fahrweise der Busfahrer wird im Übrigen nur von den Taxifahrern geschlagen, die wiederum von den illegalen Taxifahrern auf Rang zwei verwiesen werden...
Aber nochmal zurück zur Bahn. Es ist sehr schön mit anzusehen, wie die Bahnangestellten im Rahmen der Europäischen Union zusammen arbeiten. Aus den 20 Minuten Verspätung, die mein Zug an der tschechisch-deutschen Grenze hatte, waren am Hauptbahnhof (tief) schon ganze 40 Minuten geworden. Da wollten die deutschen ihren tschechischen Kollegen wohl in nichts nachstehen. Schön wenn bei zwei große Unternehmen alles so Hand in Hand geht. Da bleibt nur noch eins zu sagen:
Eisenbahner aller Länder vereinigt euch!
akberlin - 16. September, 09:00
Drei Wochen lang bin ich an der Ecke vorm Studentenwohnheim morgens (und nachts) in den Bus eingestiegen. Aber erst neulich ist mir aufgefallen, das mein Traumhaus an dieser Ecke steht. Und ja, es hat einen Turm. Nein eher anders herum, es ist mein Traumhaus, weil es einen Turm hat. Nach vollbrachten Tagwerk, könnte ich hier in meinem Wohnzimmer stehen und sagen: "Falls mich jemand sucht, ich bin im TURMZIMMER!" Das wäre schön...
Hinweis:
Der p-log aus Ostrava ist damit erstmal beendet. Am Donnerstag fahre ich nach Berlin zurück. Bis nächste Woche Freitag, werde ich dann dort anzutreffen sein.
akberlin - 12. September, 18:00