Nationen sind die chronisch vorgestellten Gemeinschaften der Moderne, ein kollektiver Egoismus, nicht mehr und nicht weniger. Doch wie jede Idee ihre Umsetzung sucht, so versucht auch die Nation sich real zu konstituieren. Manche treiben es dabei etwas zu weit, legen halb Europa in Schutt und Asche und denken es ist ein Wunder, dass sie bereits neun Jahre später dann doch noch Weltmeister werden. Andere halten sich da lieber gleich von vornherein für die unumstrittene größte von allen, obwohl sie nicht mal ein
H richtig sprechen können. Wieder andere segeln um die halbe Welt um ihre Sprache, ihre Kriminellen und ihren Tee zu verbreiten...
Und dann gibt es noch die tragischen, die anscheinend nie so richtig vorwärts kommen. Neben Tschechen, Polen und Österreichern gehören die Ungarn ganz sicher in diese Gruppe. Gewissermassen rammte das Schicksal Ungarn immer wieder eine Pistole in den Hintern und drückte solange ab bis es klickte. Was die Ungarn auch anfassten, irgendwie hat es sich immer gegen sie gewendet:
1848 - nur ein kleines bißchen
Nationalismus, eine kleine Revolution, ein kleines eigenes Parlament - nicht mal den österreichischen Kaiser traute man sich abzusetzen, aber am Ende hatten Russen und Österreicher die Ungarn vernichtend geschlagen, Zehntausende waren gefallen oder hingerichtet...

(Milleniumstor der magyarischen Landnahme, Városliget)
1914 - nur ein kleiner
Krieg, nur an einer Front und diesmal sogar zusammen mit den Österreichern.Nnach anfänglichen Schwierigkeiten tatsächlich die Russen besiegt und trotzdem verloren. Am Ende über zwei Drittel des Territoriums eingebüßt und 30 Prozent der magyarischen Bevölkerung in fremden, neuen Staaten...
1939- nur ganz wenig
Faschismus, nichtmal ein wirklicher Diktator, eigentlich eher ein Autokrat, nur am das Vergangene endlich zum Guten wenden zu können. Doch halt, plötzlich besetzt die deutsche Wehrmacht doch das ganze Land und die SS zeigt den Pfeilkreuzern, wie man das richtig aufzieht, mit den Juden...

(Friedhof, Nagy Synagogus)
Die sowjetischen
Befreier, waren dann auch nicht wirklich so befreiend, wie manch einer sich das vorstellte...

(Freiheitsstatue, Gellérthegy)
1956- nur etwas
Kommunismus, nicht so wie der bei Stalin, sogar mit mehreren Parteien und Menschenrechten für alle. Dann kamen plötzlich wieder die Russen - klar, mittlerweile kannten die den Weg bestimmt recht gut...

(Budapest, November 1956)
...und momentan gibt es da Gerüchte, dass die Polizei, welche die friedlichen Demonstranten zum Gedenken des Revolutionstages am 23. Oktober verprügelt hat, mit ausländischen Sicherheitsleuten (Russen [!] und Ukrainern) aufgefüllt war!
2006 - nur ein bißchen
Demokratie ???
akberlin - 6. November, 15:06